Unser Selbstverständnis ist in grundlegenden Erklärungen unseres Bundes für alle seine Angehörigen
verbindlich festgelegt.
Schon die Verfassung der Deutschen Gildenschaft vom 18. Juni 1960 beschreibt dies in ihrer Präambel so:
„Die DEUTSCHE GILDENSCHAFT, nach dem Ersten Weltkrieg aus dem Geist der Jugendbewegung als neue Form akademischer Lebensgemeinschaft entstanden, hat am 15. Juni 1958 in Frankfurt am Main ihren Bund erneuert in Gemeinschaft mit Studenten, die ihr in ihrer Lebensauffassung nahe stehen.
Dieser Bund will seiner akademischen Jugend in kleinen, überschaubaren Gemeinschaften Wege weisen, sich in geistiger Unabhängigkeit und persönlicher Opferbereitschaft in ihren Lebensordnungen und Wirkungskreisen zu bewähren.
Die DEUTSCHE GILDENSCHAFT bekennt sich zur Geschichte und Kultur des Deutschen Volkes und tritt in der Verteidigung von Recht und Freiheit für das Heimat- und Selbstbestimmungsrecht der Völker ein.
Ihr Ziel ist die Erziehung ihrer jungen Angehörigen auf der Grundlage akademischer Freiheit zu einem Leben der Verantwortung.”
Mehrere Erklärungen haben dieses Selbstverständnis erläutert. Dies sind in zeitlicher Reihenfolge:
- die Grundsatzerklärung zur Neugründung der DEUTSCHEN GILDENSCHAFT vom 15. Juni 1958
- die Nürnberger Erklärung vom 15./16. Juni 1963
- die Salzburger Erklärung vom 27. September 1992
Wie alle Erklärungen muß auch die Salzburger Erklärung im Zusammenhang mit ihrer Entstehungszeit und den diese Zeit prägenden Ereignissen und Herausforderungen verstanden werden. Sie steht noch ganz unter dem Eindruck der gerade vollzogenen Wiedervereinigung. Die Deutsche Gildenschaft wird weiterhin nach Antworten auf die drängenden Fragen der jeweiligen Zeit suchen.
Mit der Überwindung der gewaltsamen Teilung Deutschlands sind politische Grundüberzeugungen der
DEUTSCHEN GILDENSCHAFT historisch bestätigt worden: Freiheit, Demokratie, Rechtsstaat und Zugehörigkeit
zum Deutschen Volk sind Ausgangspunkte des politischen Denkens.
Die DEUTSCHE GILDENSCHAFT als akademische Erziehungsgemeinschaft mit nationaler Überzeugung und
bündischer Tradition stellt sich den Herausforderungen der gewandelten Lage. Bei ihrer Suche nach
Antworten auf drängende Fragen der Gegenwart lässt sie sich auch weiterhin von den Gedanken ihrer
Grundsatzerklärung und der Nürnberger Erklärung leiten.
Die DEUTSCHE GILDENSCHAFT setzt sich für die Stärkung des nationalen Zusammenhalts ein. Dieser
Zusammenhalt hat eine kulturelle, wirtschaftliche, soziale und politische Dimension. Er ist im Rahmen
freiheitlicher, demokratischer und sozialer Rechtsstaatlichkeit zu verwirklichen, wie sie in den
Verfassungen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Österreich zum Ausdruck kommt. Der weit
verbreiteten Orientierungslosigkeit stellen wir die Überzeugung entgegen, daß Freiheit nur als Freiheit in der Bindung Bestand haben kann.
Die innere Wiedervereinigung wird durch einen Mangel an nationalem Empfinden erschwert. Die einseitige
Orientierung an einem materialistischen und individualistischen Lebensstil ist Hauptursache für die
Gleichgültigkeit und ablehnende Haltung großer Teile unseres Volkes gegenüber den neuen Aufgaben.
Auch die Unkenntnis der Verhältnisse in den jeweils anderen Teilen Deutschlands trägt dazu bei.
Die innere Einheit setzt die Aussöhnung des deutschen Volkes mit sich selbst voraus. Dazu gehört ein
der Wahrheit verpflichteter Umgang mit der Geschichte. Die Opfer der sozialistischen Diktatur haben
Anspruch auf Gerechtigkeit, aber Schuldiggewordenen muß der Weg zu Einsicht und Umkehr offengehalten
werden. Die Deutschen im Westen dürfen sich nicht der Verpflichtung entziehen, die eigenen historischen
und politischen Unterlassungen aufzuklären, die zur Vertiefung der Spaltung und damit zur Festigung der
SED-Diktatur geführt haben.
In der kulturellen, regionalen und landsmannschaftlichen Vielfalt Deutschlands haben Fremde stets einen
Platz gefunden. Wir lehnen aber eine Politik ab, die diese Offenheit missbraucht und nationale Identitäten
in Frage stellt.
Die Verantwortung für unser Volk schließt auch kommende Generationen ein. Ihnen soll die Natur unter
den Bedingungen einer hochindustrialisierten Gesellschaft als Lebensgrundlage und Quelle geistiger
Gesundheit erhalten bleiben. Bewahrender Umgang mit der Umwelt und verantwortungsbewusste
Lebensgestaltung sind für uns wichtige Ziele. Ökologische Notwendigkeiten und der Lebensschutz
erfordern von uns allen grundlegend neue Bescheidenheit.
Nachdem Deutschland als handlungsfähiges Völkerrechtssubjekt wieder entstanden ist, kann und muß es
die legitimen Interessen unseres Volkes selbst wahrnehmen. Die zielen darauf, die konstruktive Rolle,
die das deutsche Volk im europäischen und weltweiten Zusammenhang übernehmen kann, und die seiner
Geschichte entspricht, auszubauen und zu stärken.
Dies schließt die tatkräftige Unterstützung des deutschen Volkstums ein, das außerhalb der
Bundesrepublik Deutschland lebt. Die deutsche Einheit wurde um den Preis des schmerzlichen Verzichtes
auf die Ostgebiete und das Sudetenland erreicht. Volksgruppenrechte für die dort verbliebenen
Deutschen sind nur in Ansätzen, Heimatrechte für die Vertriebenen überhaupt nicht verwirklicht.
Dadurch bleibt die europäische Rechtskultur dauerhaft belastet.
Nur in einem Europa der Völker und Volksgruppen kann die historisch gewachsene kulturelle und
nationale Vielfalt des Kontinents bewahrt werden. Fremdbestimmung durch eine demokratisch nicht
kontrollierte europäische Bürokratie lehnen wir ab.
Wie die innere Ordnung durch Rechtsstaatlichkeit bestimmt wird, so müssen auch die Beziehungen
zwischen Völkern und Staaten auf der Anerkennung rechtlicher Grundsätze aufbauen. Aus den Erfahrungen
unseres Jahrhunderts treten wir besonders für das Selbstbestimmungsrecht der Völker und die Schaffung
eines Volksgruppenrechts ein. Für uns steht die nationale Solidarität in einem werthaften Zusammenhang
mit der Solidarität gegenüber anderen Völkern.
Die Mittellage Deutschlands stellt unser Volk vor die Aufgabe, Brücken zu den Völkern Mittel- und
Osteuropas zu schlagen und ihnen zu helfen, die materiellen und immateriellen Schäden aus
jahrzehntelanger kommunistischer Herrschaft zu beheben.
Das deutsche Volk ist auf die großen Herausforderungen im Inneren und Äußeren nur unzulänglich
vorbereitet. Umso mehr ist es Aufgabe verantwortungsvoller Akademiker, darauf hinzuwirken, daß
hierfür geistige Grundlagen und politische Voraussetzungen geschaffen werden. Wir Gildenschafter
überschätzen nicht unsere Möglichkeiten, die Entwicklung zu beeinflussen. Aber wir stellen uns in die
Pflicht, Leitgedanken unserer Grundsatzerklärung als Einzelnen und als Bund mit Leben zu erfüllen.
Das Ziel unseres Bundes in Deutschland und in Österreich ist, heranwachsende Akademiker über den Weg
der Selbsterziehungsgemeinschaft an diese Fragen heranzuführen.
Angesicht der in der ehemaligen DDR über Jahrzehnte systematisch zerstörten akademischen Kultur und
des Massenbetriebs an westdeutschen Hochschulen bleibt der Auftrag ungeschmälert bestehen, jungen
Studentinnen und Studenten über die fachliche Ausbildung hinaus Halt und geistige Heimat zu geben.
Aufgabe der DEUTSCHEN GILDENSCHAFT bleibt die geistige Auseinandersetzung mit den Problemen unserer
Zeit, die Erziehung zu innerer Wahrhaftigkeit und zu eigenverantwortlichem und kameradschaftlichem
Handeln.”
Wie alle Erklärungen muß auch die Salzburger Erklärung im Zusammenhang mit ihrer Entstehungszeit und den
diese Zeit prägenden Ereignissen und Herausforderungen verstanden werden.
Die Deutsche Gildenschaft wird weiterhin nach Antworten auf die drängenden Fragen der jeweiligen Zeit
suchen.
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