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„om mani patme hum” lautet das Mantra, das uns Henri für unsere Gruppe in das Fahrtentagebuch schreibt - „ob wir die Blüten im Jasmintee auch sehen”, fragt seine Frau Yolande: „ ... - ja doch, doch, tatsächlich, hier, schön, sehr schön ... ”. So lauschen wir in Villerouge-Termenès den Erzählungen von realen und astralen Reisen eines Mannes, der 15 Jahre in Tibet lebte und wirkte und nun in diesen verlassenen Flecken Okzitaniens sozusagen versetzt worden ist. Hier, an diesen Ort, wo 1321 der letzte vollkommene Katharer auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. „Wir leben an einer entscheidenden Wegmarke in der Geschichte der Menschheit: Es ist der Übergang vom materialistischen Zeitalter hinein in das des spirituellen Geistes.” „Ob wir noch zu einer kleinen Meditation bleiben wollen?” Ach, der Tee ist auch so schon ganz nett und die dazu gereichten Neapolitanerschnitten reichen uns vollkommen aus ... Dass wir hier nach erster Wanderung unseren ersten Teeplausch verbringen dürfen, ist natürlich ebensowenig ein Zufall, wie die Weintrauben in Griffhöhe am Morgen beim ersten Blick aus dem Schlafsack oder unser Frühstück auf dem Col de Villerouge, dem ersten Hügel der Pyrenäen. Es ist Frühherbst im Katharerland und wir sind endlich auf Fahrt! |
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Bei einbrechender Dunkelheit erreichen wir das Bergdörfchen Palairac. Der Ort erscheint derart malerisch in der Dämmerung und im Schein der Laternen, dass wir erst einmal ein Paar Lieder am Brunnen des Dorfplatzes singen. Kai treibt von irgendwo her Faltblätter auf, die uns erzählen, dass hier wohl der Heilige Gral läge. Unter diesen günstigen Vorraussetzungen kann man ja nur bleiben, und so landen wir im Garten von Sybil und Peter, zwei vor 30 Jahren hierher ausgewanderten Engländern, von denen es im übrigen hier in dieser Gegend haufenweise gibt. Der Abend entwickelt sich schließlich ein wenig skuril: die Fahrtengruppe der Deutsche Gildenschaft begibt sich auf eine volkskundliche Forschungsreise zu den Feierabendgewohnheiten jugendlicher Traubenpflücker: frischer Rosé-Wein, „freestyle-Klampfenspiel” und Kiffen ... aber sie sind eigentlich wirklich ganz zahm und durchaus kreativ ... |
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Vor uns erscheint die Katharerfestung Peyrepertuse. Bereits am Tag zuvor war die Festung auf dem imposanten Fels von weiten zu sehen gewesen, nun wird sie von uns erobert: brav und gesittet, nachdem wir die 5,-€ Eintritt gezahlt und der freundlichen Kassiererin ein nettes Lächeln geschenkt haben. Oben auf der Burg frustrieren uns erst einmal zwei rüstige Deutsche, die ein wenig über uns und unsere Fahrt lächeln müssen - sie gingen zuletzt von München aus für ein Jahr den Jakobsweg entlang. Naja, wenn wir mal groß sind machen wir so etwas sicherlich auch alles einmal. Nun begeistern uns zunächst die große Festungsanlage und der herrliche Ausblick über das Land. |
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Den Tag über geht es auf einsamen Wegen zur Einsiedelei „Georges de Galamus”. Nur Gutes war uns zuvor von dieser herrlich gelegenen Einsiedelei mit seiner netten Herbergsmutter berichtet worden. Dort angekommen, weist sich diese besonders durch einen großen Autoparkplatz und einen davon innerhalb von zehn Minuten zu erreichenden, geschlossenen Gebäudekomplex aus. Wir machen das Beste draus und schaffen es erstaunlich schnell, dass uns deutsche Touristen unbedingt ihr Panaché (Radler) schenken wollen und uns von Otto Rahn und dem Heiligen Gral erzählen. Beim zum Dank angestimmten „Wir wollen zu Land ausfahren” fällt die Mutter des Gralsforschers mit ein: Eine alte Bündische. Bei Mondschein wandern wir schließlich noch lange in die Nacht hinein, ab von dem Rummel wieder hinein in die einsame Welt der Berge. |
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Nachdem wir einen Teil des Nachmittages in der Umgebung des Pic de Bugarach bei einem Einsiedler verbracht haben, zieht es uns wieder hinaus auf die Landstraße zu einem kleinen Tramp nach Rennes les Bains. In unseren Köpfen schwirren noch die Gedanken an die große Sammlung prähistorischer Knochen und die verschiedenen ökologischen und energiesparenden Erfindungen, die uns der Einsiedler bei Tee in seinem Haus präsentierte. Auch wir wollen nun quasi Energiesparer sein und die 37 °C warmen natürlichen Quellen von Rennes les Bains zu einem kleinen Duschbad nutzen - wir haben es uns wohl verdient. Doch kaum im Ort angekommen wirbeln die Erlebnisse des Tramps schon wieder alles ein wenig durcheinander: Kai, der von uns mit Abstand am besten französisch spricht, hatte eigentlich nur einen freundlichen Plausch führen wollen ... „Und, was macht ihr heute noch so?” „Ach, heute ist ja die Nacht vom 12. auf den 13.Oktober und da treffen wir uns mit Gleichgesinnten aus ganz Frankreich auf einem Berg hier in der Nähe und warten auf die Rückkehr der Tempelritter. Sie hatten hier einst eine goldene Glocke verloren, und die sind sie nun jährlich in dieser Nacht als Untote am Suchen. Wenn Ihr Lust habt, könnt ihr ja vorbeikommen.” Da wir uns mittlerweile schon daran gewöhnt haben, dass einige Menschen hier ein wenig „ungewöhnlich” sind - jedoch bisher stets äußerst gastlich und freundlich - steht der Beschluss nach wenigen Sekunden fest: Duschen wir uns und feiern dann ein wenig mit Untoten auf irgendwelchen Bergen. Der Rest des Abends, das abenteuerliche Hinkommen, der stürmische Aufstieg bei Nacht, die Einladung zu allerlei französischen Speisen im Walde, so manche „Einweihung” in das Wissen der Templer, Rosenkreuzer und was weiß ich wem, passt wohl nicht ganz hierher und würde den Rahmen vermutlich sprengen. |
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Mit Rennes le Chateau ist das ja so eine Sache: Klar sind die Geschichten um den Priester Saunière, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit einem Mal erstaunlich reich wurde und bei der Kirchrenovierung über das Eingangsportal schrieb „Dies ist ein schrecklicher Ort” uns nicht unbekannt. Jedes Jahr zieht dieser Ort die verschiedensten Esoteriker, Okkultisten, Gralsforscher und einfache Schatzsucher an. |
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Vor Montségur klassisch erst einmal auf zwei Nerother mit Steinen im Gepäck für die Waldeck gestoßen. Bei Dunkelheit treffen Meike und ich auf Suzah und Kai, die schon ein Weilchen auf uns im Dorf Montségur gewartet haben. Aber wir hatten nun einmal Verpflichtungen, wurden noch genötigt im Dorf zuvor auf ein Glas Wein bei einem durch Kampfsport absolut ausgeglichenen Anarchisten und seiner Familie zu bleiben ... . |
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Nachtrag
Kai und ich sitzen in irgendeinem alternativen Szenetreff in Frankfurt und verspeisen das vorzügliche „Volxküchenbüfett”. Bei so vielen eigenwilligen Erlebnissen halten wir diesen Ort genau für das Richtige, um unsere Fahrt ausklingen zu lassen. Hinter uns liegt die frühherbstliche Landschaft Okzitaniens mit seinen Burgen und Dörfern und den vielen herzlichen Menschen. Der Geschmack der frischen Trauben, die warmen Nächte und der Geruch von Thymian und gelbem Laub ist Erinnerung geworden. Wie geplant wurde die Frankfurter Buchmesse zum Ziel unseres gemeinsamen Fahrtenabschlusses. Noch leicht benebelt erlebten wir all die vielen Menschen, bunten Stände und Buchvorstellungen.
Wann und wohin wird es uns das nächste Mal wieder auf große Fahrt treiben?
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